Wir bieten Ihnen an dieser Stelle eine oft sehr kurze Zusammenfassung von Nachrichten aus Afrika, insbesondere aus Kenia, die uns helfen sollen, die Lage und Entwicklung hier besser zu verstehen.

Wo möglich, sind die die Einzelinformationen mit den Originalnachrichten verlinkt. So haben Sie die Möglichkeit, sich ausführlicher mit dem jeweiligen Thema auseinander zu setzen.


 

Invasive Arten schaden Afrikas Landwirtschaft massiv (aus Spektrum der Wissenschaft vom 21.05.2021)

 

Tiere und Pflanzen, die in den afrikanischen Kontinent eingeschleppt wurden, verursachen einen enormen wirtschaftlichen Schaden. Besonders Frauen und Kinder tragen die Kosten. (von Esther Megbel)

 

Invasive Tier- und Pflanzenarten kosten Afrikas Landwirtschaft jährlich 3,6 Billionen US-Dollar. Das hat die erste umfassende Studie zum ökonomischen Einfluss von invasiven Spezies ergeben, die in »CABI Agriculture and Bioscience« erschienen ist. Die Summe entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt Deutschlands. Sie errechnet sich aus den entstandenen Ernteverlusten und den durch die Schädlinge verursachten zusätzlichen Arbeitskosten, die das Forscherteam der Organisation Centre for Agriculture and Bioscience International (CABI) nach Befragungen und Recherche in Veröffentlichungen ermittelt hat.

 

Die in Afrika ursprünglich nicht heimischen Schädlinge fressen an verschieden Nutzpflanzen; am stärksten litten Maniok, Zitrusfrüchte und Tomaten unter dem Insektenfraß. Die höchsten Kosten verursacht dabei – mit 11,45 Milliarden Dollar – die Tomatenminiermotte, gefolgt von der Schmetterlingsart Spodoptera frugiperda, die im Englischen als »Herbst-Heerwurm« bekannt ist. Sie befällt Mais und sorgt für Ausfälle von etwa 9,4 Milliarden Dollar. Durch eingeschleppte Ackerunkräuter entsteht weiterer Schaden: Die Mehrkosten, die durch zusätzliches Unkrautjäten anfallen, beliefen sich auf 3,43 Billionen Dollar.

 

Im Schnitt verlor jedes afrikanische Land 76,32 Milliarden Dollar pro Jahr – mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Staaten: Während etwa Djibouti, Äquatorialguinea und Guinea-Bissau jeweils um 100 Millionen Dollar Verluste machten, war Nigeria von Ernteverlusten im Bereich von über einer Billion Dollar betroffen.

 

Invasive Arten (IAS, Invasive Alien Species) sind Pflanzen, Tiere oder Pilze, die sich in Lebensräumen ansiedeln, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren. Sie haben weltweit einen ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Einfluss: Sie verursachen hohe Kosten, steigern den Wasserverbrauch und stellen mitunter gesundheitliche Risiken für Menschen und Tiere dar. Besonders Frauen und Kinder kümmern sich darum, die invasiven Pflanzenarten zu jäten. Knapp 70 Prozent der Kinder aus landwirtschaftlichen Haushalten in Ländern südlich der Sahara müssen während der Hochsaison helfen, Unkraut zu jäten, statt zur Schule zu gehen.

 

Dennis Rangi von CABI, einer gemeinnützigen Organisation mit Fokus auf Umwelt und Landwirtschaft in Entwicklungsländern weist darauf hin, dass auf dem Kontinent, »über 80 Prozent der Menschen in ländlichen Regionen von Ernte abhängig sind, die sie für Essen und Einkommen anbauen«. Bislang gab es nur wenige Studien zum wirtschaftlichen Einfluss der IAS auf dem afrikanischen Kontinent. Die Landwirtschaftsbeauftragte der Kommission der Afrikanischen Union, Madam Josefa Sacko, ergänzte: »Invasive Arten zu managen ist unabdingbar, wenn die Landwirtschaft Afrikas ihr vollständiges Potenzial ausschöpfen und die wachsende Bevölkerung ernähren soll. Sie wird sich bis voraussichtlich 2050 auf zweieinhalb Milliarden Menschen verdoppeln.«

 


 

Erschienen in der Süddeutschen Zeitung vom 28. April 2021

 

Außenpolitik: Afrika Zwischen Mangel und Überfluss

Den meisten Ländern fehlt der Impfstoff, auch weil aus Indien nichts mehr geliefert wird. Andere haben keine Möglichkeit, ihn zu verteilen.

Von Bernd Dörries, Afrika-Korrespondent

Bernd Dörries wurde 1974 in Stuttgart geboren und hat Politikwissenschaft in Tübingen, Berlin und New York studiert. Volontariat bei der SZ mit Stationen in Düsseldorf, München und Berlin. Ab 2004 Korrespondent für Baden-Württemberg in Stuttgart, ab 2010 NRW-Korrespondent in Düsseldorf. Seit Februar 2017 Afrika-Korrespondent mit Sitz in Kapstadt.

 

Kapstadt - Die einen haben zu wenig, die anderen zu viel. Ghana und Kenia warten verzweifelt auf neue Dosen des Impfstoffes gegen Covid-19, während sich in Malawi und dem Südsudan die Verantwortlichen gerade überlegen können, wie man den Impfstoff sicher vernichtet, den man nicht mehr will. Das klingt absurd, passiert aber in Staaten, die keinen Weg sehen oder sehen wollen, ihn zu verteilen.

Südafrika, das auf dem afrikanischen Kontinent lange am stärksten betroffen war von Infektionen und Todesfällen, beginnt nur schleppend damit, zumindest seine 1,2 Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen zu impfen. Im viel strukturschwächeren Ruanda gehören auch Uber-Fahrer, Marktverkäufer und Senioren zur bereits geimpften Gruppe der besonders Gefährdeten.

Es ist ein ziemlich vielschichtiges Bild, das sich auf dem afrikanischen Kontinent zeigt, manche Länder kommen mit dem Impfen ganz gut voran, andere haben noch nicht einmal begonnen. Insgesamt steht der Kontinent aber am schwächsten da von allen Weltregionen, nur höchstens zwei Prozent der 1,3 Milliarden Menschen haben bisher zumindest eine Impfung erhalten. Das Ziel der Afrikanischen Union, bis Ende 2022 etwa 60 Prozent der Bevölkerung des Kontinents zu impfen, scheint in weiter Ferne zu liegen.

Das Virus hat womöglich viel Zeit, sich weiter über den Kontinent zu verbreiten und eventuell neue Mutanten zu bilden, die dann für die ganze Welt zum Problem werden.

In Sierra Leona sind viele überzeugt, Corona sei nicht so schlimm wie Ebola

Die Gründe für den langsamen Fortschritt sind vielfältig. Sieht man den Kontinent als Ganzes, dann ist Afrika von allen Weltregionen am wenigsten schlimm von Corona betroffen, mit viereinhalb Millionen Infektionen und 120 000 Todesfällen von weltweit mehr als drei Millionen. Beide Zahlen liegen sehr wahrscheinlich unter dem tatsächlichen Ausmaß, weil vielerorts zu wenig getestet und nur sehr selten eine Todesursache bestimmt wird.

Dennoch haben in Ländern wie Sierra Leone mit offiziell weniger als 100 Verstorbenen offenbar nur wenige Bürger ein Gefühl von Dringlichkeit, was eine Impfung angeht. Viele Menschen hätten für sich entschieden, dass Corona nicht "so schlimm ist wie Ebola", das wesentlich mehr Todesopfer forderte, sagte Gesundheitsminister Austin Demby kürzlich. In Uganda, das stärker betroffen ist, sollen nun Prominente bei einer Impfkampagne mitmachen, um die Menschen zu überzeugen, weil bisher nur etwa ein Viertel der seit März gelieferten etwa eine Million Dosen einen Abnehmer fanden.

Im Nachbarland Ruanda und in Ghana in Westafrika würden sie sich über den Überschuss freuen. Beide Länder haben nach Ansicht von Experten vorbildliche Impfkampagnen gestartet und nicht einfach gewartet, ob die Bevölkerung von sich aus zum Impfzentrum kommt. Nun geht ihnen aber der Impfstoff aus.

Impfstoff, der woanders noch vorhanden ist, aber nicht verbraucht wird. Die Demokratische Republik Kongo hat Anfang März angeblich 1,7 Millionen Dosen erhalten, bisher aber nur ein paar Tausend verimpft. Das Land gehört wie der Südsudan zu einer Gruppe von Ländern, die zwar Impfstoffe aus Spenden bekommen haben, nun aber nicht über die Mittel oder den Willen verfügen, ihn zu verteilen.

In der südsudanesischen Hauptstadt Juba wurden offenbar 2000 Ältere und Angestellte im Gesundheitswesen geimpft, die Provinzen scheint das Vakzin aber nicht erreicht zu haben, eine breit angelegte Impfkampagne gab es nicht. Die Regierung will etwa 60 000 Impfdosen vernichten, die bisher nicht verabreicht wurden, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen sei, auch in Malawi soll eine größere Lieferung von Astra Zeneca weggeworfen werden. Die Weltgesundheitsorganisation und der Hersteller gehen davon aus, dass das Serum noch sechs Monate nach Ablauf der Haltbarkeit zu benutzen ist.

Aber wie auch anderswo auf der Welt herrscht auch in afrikanischen Ländern große Skepsis besonders gegenüber dem Impfstoff von Astra Zeneca, Südafrika verkaufte eine Million Dosen gleich weiter, anstatt sie selbst zu benutzen, sie werden nun über den Rest des Kontinents verteilt und oft nur zaghaft angenommen.

Die afrikanischen Länder hätten aber "keine andere Wahl", sagt John Nkengasong, der Leiter der Africa Centres for Disease Control and Prevention. Denn Astra Zeneca ist einer der wenigen Impfstoffe, die in Afrika überhaupt zu Verfügung stehen. Die Impfallianz Covax, die von der WHO unterstützt wird, hatte sich zum Ziel gesetzt, 600 Millionen Impfdosen auf den Kontinent zu liefern und damit 20 Prozent der Bevölkerung zu impfen.

Der Impfstoff dafür kommt von Astra Zeneca, wird in Lizenz im indischen Serum Institute hergestellt, es ist der günstigste und am einfachsten zu transportierende Impfstoff. Nachdem Indien aber nun selbst mit dramatisch ansteigenden Fallzahlen konfrontiert ist, wurden die Lieferungen an den Rest der Welt ausgesetzt.

Ersatz ist nicht so leicht zu bekommen, die Afrikanische Union bestellte zwar 400 Millionen Dosen bei Johnson & Johnson, das seinen Impfstoff auch in Südafrika abfüllen und verpacken lässt, die Lieferungen sollen aber erst im dritten Quartal beginnen.

Appelle afrikanischer Staatschefs, die Patente auf Impfstoffe aufzuheben und deren Produktion auch in Afrika zu ermöglichen, verhallten bisher meist ungehört.


Überraschend viele Covid-19-Fälle in Afrika (News vom 22.02.2021 in "Spektrum der Wissenschaft")

Mediziner haben Verstorbene in Sambia untersucht und bei unerwartet vielen das Vorus Sars-CoV-2 nachgewiesen. Der Erreger scheint verbreiterter zu sein als gedacht. Wahrscheinlich, so die Forscher, würden die Fallzahlen in Afrika massiv unterschätzt. Die Gesundheitssysteme dort seien häufig unterfinanziert und schlecht ausgestattet und können sich die Massentests schlicht nicht leisten. So wird häufig bei Patienten, die an Fieber unbekannter Ursache starben, Malaria diagnostiziert.

Dass Covid-19 oft nicht erkannt wird liegt nach den Forschern wohl daran, dass das Durchschnittsalter der afrikanischen Bevölkerung im Vergleich mit Europa sehr niedrig ist. Junge Leute erkranken selten schwer. Auch Risikofaktoren wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes spielen in Afrika eine geringere Rolle. Zudem könnten Afrikaner öfter in Kontakt mit anderen Coronaviren kommen, weshalb ihr Immunsystem stärker auf neue Pathogene reagiere.

Nach Angaben der Afrikanischen Union sind heute in ganz Afrika 3,3 Millionen Infektionen und knapp 80.000 Todesfälle durch Covid-19 erfasst.

 

Corona-Impfung in Afrika (Boris Baumhold, ARD Nairobi)

Aufgrund der logistischen Probleme und des fehlenden Geldes wird damit gerechnet, dass es in Afrika frühestens Ende 2022 größere Impfkampagnen geben wird. Bisher haben lediglich Ägypten und Kenia Impfdosen bestellt. Hoffnung macht das Covax-Programm der UN. In den Fond haben bereits 90 Entwicklungsländer, aber auch reiche Staaten wir Deutschland eingezahlt. Mit den erwarteten 2 Milliarden US-Dollar bis Ende 2021 sollen wenigstens 20% der afrikanischen Bevölkerung geimpft werden. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, braucht es aber 60%. Daher fordert die Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (CDC) die reichen Länder auf, gemeinsam eine Lösung zu finden.

Für die Mehrheit der Bevölkerung ist der Kampf gegen das Virus aber nicht das drängendste Problem. Die nächste Mahlzeit oder die Mietzahlung sind für die Mehrheit existenziellere Fragen als die Verfügbarkeit von Impfstoffen. Solange die Impfungen nicht kostenlos sind (wovon angesichts der katastrophalen Haushaltslagen auszugehen ist) dürfte der Großteil der Bevölkerung nicht bereit oder in der Lage sein, sich impfen zu lassen.

 

Zur Verteilung der Impfdosen sind bisher nur zwei afrikanische Airlines in der Lage: die äthiopische und eine kenianische Cargo-Airline. In einzelnen Ländern wie Ruanda ist ein Verteilungsnetz für Impfdosen mit Hilfe von Drohnen bereits installiert. Probleme bereitet hierbei noch die nötige Kühlung. Sehr hilfreich kann auch die Deutsche Post sein: Ihr afrikanischer Zweig von DHL beschäftigt ca. 20.000 Mitarbeiter in 54 Ländern und ist damit der größte Logistiker Afrikas. Derzeit geht dort DHL mit einer Digitalisierung der Zollanmeldung gegen Korruption beim länderübergreifenden Handel vor.

 


Die Coronakrise macht die Erfolge im Kampf gegen Hunger zunichte. (12.10.2020, yahoo!finanzen)

Die Zahl der hungernden Menschen wird bis 2021 um 150 Millionen steigen. Entwicklungsminister Müller verlangt klare Prioritäten zur Förderung der Landwirte in Afrika.

Das 2015 formuierte Ziel der Vereinten Nationen war, dass bis 2030 niemand auf der Erde mehr Hunger leiden solle. Inzwischen jedoch ist es nicht wahrscheinlich, dass dieses Ziel erreicht werden kann.

Im Jahr 2019 wurden 690 Millionen Hungernde gezählt. Bis 2021 könnten weitere 150 Millionen vor allem in Afrika dazu kommen.

Der Klimawandel trifft die Landwirte in den Entwicklungsländern besonders hart. Nun kommen die Auswirkungen der Corona-Pandemie dazu, die zu einer Rezession der Weltwirtschaft führt. Kinder sind besonders betroffen: Für jeden Prozentpunkt, den das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinkt, werden 700.000 Kinder dauerhafte Wachstumsverzögerungen erleiden. Bis Oktober 2020 wurden vier bis fünf Prozent Verlust erwartet.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller verlangt trotzdem, das gestzte Ziel, den Hunger bis 2030 abzuschaffen, nicht aufzugeben. Erforderlich sei eine Präventionspolitik statt ständiger Krisenreaktion. Die nötigen finanziellen Mittel könnten von den G7-Staaten aufgebracht werden.


Neue Freihandelszone große Chance für Afrika (ARD Studio Nairobi, 31.12.2020)

Am 1. Januar 2021 startete die innerafrikanische Freihandelszone - mit 54 Ländern die größte der Welt. 90% der Zölle sollen wegfallen.

Der Handel zwischen den afrikanischen Staaten war und ist schwierig: Waren über die Grenzen zu bringen ist zeitraubend und teuer, es gibt einen Flickenteppich an Handelsregeln und Zöllen. Das führt zu langen Wartezeiten an den Grenzen, einem endlosen Papierkrieg, immer wieder wird Schmiergeld verlangt. Die Hürden zwischen afrikanischen Ländern sind höher als solche zwischen Afrika und dem Rest der Welt.

Jetzt soll alles besser werden: Die 54 afrikanischen Staaten mit 1,2 Milliarden Menschen sollen am Ende des Prozesses einen Binnenmarkt bilden. Doch das Projekt startet erst, der Weg bis zum Ziel ist noch weit. Es gibt starke reaktionäre Kräfte, die vom bisherigen System profitieren. Jedoch sind die Chancen gewaltig: es entstehen ein riesiger Markt, eine Menge neuer Jobs. Afrika kann wirtschaftlich aufholen und seine Abhängigkeit vom Rest der Welt verringern. Durch den Freihandel könnten 30 Millionen Afrikaner den Weg aus der Armut schaffen.

Am notwenigen Ausbau der Infrastruktur wird bereits gearbeitet: Kenia baut auf Lamu einen riesigen Containerhafen.

(Wikipedia: Lamu ist eine flache, etwa 12 × 6 km große Sandinsel mit Mangrovenbuchten vor der Küste Kenias im Indischen Ozean.)

Die Insel soll ein internationaler Logistikknotenpunkt werden. Mit dem Hafen, einer neuen Eisenbahnlinie und neuen Straßen solle eine neue Transportachse für Ostafrika entstehen. So soll der afrikanische Kontinent in den globalen Welthandel besser integriert werden.

Die Planung des Projekts liegt bei chinesischen Ingenieuren. So baut hier das Reich der Mitte ein weiteres Großprojekt für Afrika. China weiß, wie wichtig der afrikanische Markt ist und wie viel wichtiger er noch werden wird.